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Darmkrebs

... die Katastrophe im "Canale Grande"?

 

Ein Artikel von Dr.Martin Hebel, Fachärztlicher Internist

 

 

Übersicht und statistische Daten

Unter dem Darmkrebs werden zwei Erkrankungen zusammengefasst:

  1. Krebs im Dickdarm (Colon-Carcinom)
  2. Krebs im Enddarm (Rektum-Carcinom)

Nicht dazugezählt werden Carcinome des Dünn- und Zwölffingerdarmes und des Darmausganges, das Analcarcinom. 

Der Darmkrebs betrifft Männer wie Frauen mit ca. 73 000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland, mehr als 26 000 versterben an den Folgen der Erkrankung. Dabei erkranken Frauen im Durchschnitt mit 75, Männer mit 69 Jahren. Bei den Frauen wie denn Männern liegt der Darmkrebs an 2. Stelle aller Krebserkrankungen und ist somit der häufigste Krebs in Deutschland. Bei den Frauen liegt der Brustkrebs, bei den Männern das Prostatacarcinom an erster Stelle der bösartigen Neuerkrankungen.

In den Statistiken der europäischen Union werden die meisten Neuerkrankungen der Frauen in Deutschland diagnostiziert. Bei den Männern liegt Deutschland auf dem vierten Platz. Das kann man als ein Zeichen für die gute Inanspruchnahme von Vorsorge- und Screeningmaßnahmen sehen. Dennoch gibt es Länder in Europa, in denen die Erkrankungshäufigkeit deutlich niedriger ist als in Deutschland. Liegt es evtl. auch an unserer Lebensweise?

Als Risikofaktoren gelten Übergewicht, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Bewegungsmangel, Rauchen und das männliche Geschlecht. Lange galten faserreiche Kost (Gemüse, Ballaststoffe) als günstig und umgekehrt der Verzehr von rotem Fleisch (Rind, Schwein etc) und höherem Fettanteil als Schrittmacher zum Darmkrebs. Obwohl es sicher Einflüsse der Ernährung gibt, sind diese entgegen früherer Ansichten nach neuen Daten nicht eindeutig erkennbar.

Andererseits schaden weder eine maßvolle Ernährung mit dem Ziel das Gewicht zu normalisieren, noch ein Verdauungsspaziergang. Auch entstehen so keine Kosten, Gesundheit ist also nicht an den Geldbeutel gebunden. Vielleicht können Sie auch das Rauchen beenden?

 

Wie entsteht aber dieser Krebs?

Wissenschaftler und Ärzte gehen davon aus, dass die meisten Dickdarmkrebse sich aus Polypen und Adenomen, also aus zunächst gutartigen Wucherungen der Darmschleimhaut entwickeln. Im Laufe von 3 - 7 Jahren entsteht dann in einigen Zellen Krebs, der weiter in die Darmwand wächst.

Daneben gibt es selten familiäre Vererbungen, teilweise mit sehr frühem Ausbruch der Erkrankung, z.T. schon mit ca. 25 - 30 Jahren. Hier gelten besondere Kriterien, auf die nicht eingegangen werden soll. Auch schwere chron. Entzündungen des Darmes, wie die Colitis ulcerosa, werden nach jahrelangem Verlauf zu höheren Erkrankungszahlen für Darmkrebs führen als in der Normalbevölkerung zu erwarten gewesen wäre.

Damit ergeben sich zwei Strategien gegen diese Art von Krebs:

  1. Vorsorgemaßnahmen
  2. Risikofamilien aufdecken

 

Vorsorgemaßnahmen

  1. Testkarten auf verstecktes Blut im Stuhlgang, sog. FOBT.
    Die gesetzliche Krankenversicherungen bieten für Frauen ab dem 35. und Männer ab dem 45. Lebensjahr Krebsvorsorgeuntersuchungen an. Ab dem 50. Lebensjahr werden jährlich Testkärtchen ausgegeben um verstecktes Blut im Stuhlgang zu entdecken. Noch bevor man mit dem bloßen Auge Blut erkennen kann, geben diese Auskunft über einen möglichen betroffenen Darm. Die „Stuhlkärtchen“ suchen Vorstufen von Krebs und haben eine Zuverlässigkeit von 50 - 75 % für die Entdeckung von Darmkrebs, für dessen Vorstufen leider nur ca. 25 - 30%.
  2. Immunologische Stuhltests (iFOBT)
    In den vergangen Jahren wurde verstärkt daran gearbeitet, Tests zu entwickeln, die genauer und zuverlässiger sind. So konnte die Empfindlichkeit für die Aufdeckung auf ca. 60 – 85% gesteigert werde, für Polypen und Adenome aber auch nur auf 20 – 50%. Da diese Tests wesentlich teurer sind, werden die Kosten derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenassen übernommen. Sie werden auf freiwilliger Basis von einigen Praxen angeboten.
  3. Vorsorge-Darmspiegelung (Vorsorge-Koloskopie)
    Ab dem 55. Lebensjahr kann sich jedermann kostenfrei den Darm komplett untersuchen lassen. Nach gründlicher Entleerung am Tag vor der Unersuchung wird dabei in der Praxis eines Facharztes der gesamte Dickdarm mit einem beweglichen Instrument (Endoskop) ausgeleuchtet und untersucht. Dazu kann man sich auch vorbeugend eine Spritze geben lassen, da das Untersuchen gel. mit Beschwerden wie bei Blähungen oder Darmdrücken verbunden sein kann. Während der Untersuchung können meist alle Vorstufen eines Darmkrebses, die sog. Polypen und Adenome entdeckt und auch gleich entfernt werden. Im Falle eines auffälligen Befundes oder eines Krebsgeschwürs können Gewebeproben zur Sicherung der Diagnose entnommen. Die Zuverlässigkeit der Methode liegt bei 88 bis 98 %. Die Komplikationen sind selten, können jedoch bis zu einer Verletzung des Darmes führen.  In der Regel wird dies vorher in einem Aufklärungsgespräch mit dem Untersucher besprochen und schriftlich die Einverständnis eingeholt.

 

Ergebnisse und Erkenntnisse dieser Vorsorge:

Seit 2002 werden in Deutschland rund 500 000 dieser Vorsorgeuntersuchungen im Jahr durchgeführt.

Daraus ergaben sich folgende wichtige Erkenntnisse:

  1. Nur ca. 10 % der in Frage kommenden Menschen dieser Altersgruppe gehen zu dieser Vorsorgemaßnahme, Frauen zu 10,2 %, Männer zu 8,8 %
  2. Nahezu alle konnten komplett endoskopisch untersucht werden, d.h. der/die Untersucher erreichten in 98,7 % der Spiegelungen den Beginn des Dickdarmes (erkennbar an der Mündung des Dünn- und Blinddarmes)
  3. Bei den Frauen hatte ca. jede Vierte einen Polypen, bei den Männern fast jeder Dritte.
  4. Die Auswertung zeigte, dass bisher ca. 100 000 weit fortgeschrittene Adenome entfernt wurden , also diese Vorstufen, bei denen in kürzerer Zeit Krebs entstanden wäre
  5. Es wird jährlich bei ca. 5000 Patienten ein Dickdarmkrebs gefunden, bei Menschen also, die ohne jegliche Beschwerden waren. Hier lagen der Anteil der betroffenen Männer wie auch bei den fortgeschrittenen Adenomen (Punkt 4) bei 60%
  6. Erfreulich für die Erkrankten ist, dass der Darmkrebs oft ein einem sehr frühen Stadium entdeckt wird und damit auch die Heilungsraten höher liegen als bei den Patienten, die erst mit Beschwerden den Arzt aufsuchen
  7. Die Zahl der Darmverletzungen (Perforation) lag bei 3 von 10.000 Untersuchten, also sehr gering

Nicht nur in Deutschland wird für Darmkrebsvorsorge geworden. Denn unser Beispiel und unsere Ergebnisse sind so überzeugend, dass mehr und mehr Länder ähnliche Anstrengungen unternehmen. Eine Arbeit aus Kanada errechnete kürzlich, dass jede Steigerung der Untersuchungen (Darmspiegelung) um nur 1%, die Sterberate um 3 % senken kann.

Diese Vorsorge wird in Deutschland kostenfrei für Sie angeboten, machen SIE/ER mit. Waren Sie schon bei der Untersuchung, reden Sie mit Freunden/-innen und Kollegen/-innen darüber und werben Sie dafür. Viele Menschen haben Angst vor der Untersuchung, aber auch vor dem Ergebnis. Sprechen Sie mit uns: die Vorbereitung und die Untersuchung können so durchgeführt werden, dass man wenig oder gar nichts dabei spürt.

 

Ziele

Es ist unser Ziel, dass sich noch mehr Frauen und vor allem auch Männer untersuchen lassen, damit die Zahl der heilbaren Darmkrebse zunimmt und allem die Rate der tödlichen Carcinome abnimmt. Wir wollen dazu beitragen, dass dieser häufigste Krebs seinen Schrecken verliert.

 

Dr. Martin Hebel,
Fachärztlicher Internist, gastroenterologische Schwerpunktpraxis,
Gründungsmitglied MännerGesundheit e.V.

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